Das hat nichts zu tun mit Kunst oder so

Enrico war zwei Wochen in Spanien gewesen. Verwandte besuchen und Barcelona kucken. Total bescheuert! Ich habe von Fußball keine Ahnung, bin mir aber ziemlich sicher, dass Barcelona kein cooler Fußball-Club ist. Das muss so was wie Bayern München oder der HSV sein. Enrico stört so was nicht. Ein alter dreckiger Trinker. Gute 10 Jahr älter als ich und immer wenn wir zusammen trinken übertreibt er es maßlos. Mir gefällt das gut, gibt es doch meist eine gute Geschichte her, oder zumindest eine nette Abwechslung zum sonst eher langweiligen Alltag.
Nun war er wieder da und rief mich am späten Nachmittag an „Buenas tardes, mein Freund!“
„Mein Freund“ sagt er immer zu mit. Zu jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit. Mir gefällt das. Irgendwie gibt es mir ein vertrautes Gefühl. Es bedeutet nichts, aber es ist angenehm.
„Ich hab dir was aus Spanien mitgebracht. Geilen, roten Rotwein. Kommste rum? Frau ist heute außer Haus, hehehe!“

Trotz des hohen Alters ist Enrico ein Kind geblieben. Ein schmieriges, aalglattes, altes Kind, das einem seine verschwörerischen Pläne und Schandtaten immer mit einem dreckigen Lachen mitteilt. So was Dreckiges!
Ich hatte den ganzen Tag bereits auf dem Sofa gelegen, was im Sommer kein sonderliches Vergnügen ist. Glattes Ledersofa verträgt sich mit nackter Haut nicht. Immer wieder klebt man dran fest, es rutscht und klebt und klebt und rutscht.
Ich hatte bereits aus Langeweile einige kleine Biere getrunken und war in einen angenehm dämmerigen Zustand gefallen. Für gewöhnlich wäre mir nicht nach ausgehen gewesen, doch es war schon seit Tagen nichts passiert.
Die Hitze in der Stadt hing unter einer pervers großen Käseglocke und schmorte mir das Hirn weich. Seit Tagen war ich nicht mehr draußen gewesen.
Also zog ich mir eine Hose und ein frisches T-Shirt an, schlüpfte in meine Sandalen und verließ am frühen Abend das Haus.
Zum Fahrrad fahren war es eigentlich zu heiß, doch die 20 Minuten nach Neuköln zu laufen war bei der Hitze auch nicht drin. Ich würde so oder so schwitzen wie ein Schwein. Ich hatte mir extra für den Sommer ein Fahrrad bei einem Kleinanzeigenmarkt im Internet gekauft, um mich in den überfüllten und stickigen U-Bahnen nicht an den Körpern der klebrigen Fahrgäste reiben zu müssen.
Das erste Mal seit Jahren, dass ich ein Fahrrad gekauft hatte. 30 Euro. Ein älterer Herr hatte es verkauft. Seine Mutter war altersbedingt bettlägerig geworden und nun hatte ich ihr Fahrrad.
Ein lila Damenrad, das mir mit Rahmengröße 27 eigentlich ein wenig zu klein, aber noch tiptop in Schuss war. Torpedo Dreigangschaltung, Reifen mit dickem Profil und nicht mal am Lack war ein Kratzer. Sogar das Werkzeug war noch in eine alte Socke gewickelt, hinten in der Werkzeugtasche am Sattel gewesen. Ein Schmuckstück von Drahtesel und noch so gut wie Neuware.


1 Antwort auf „Das hat nichts zu tun mit Kunst oder so“


  1. 1 Alleiner Threat #2 « Pingback am 08. November 2010 um 12:47 Uhr

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